MeMoPsy
MeMoPsy-Studie: Mechanismus-basierte, modulare Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene mit traumatischen Kindheitserfahrungen
Hintergrund
Traumatische Kindheitserfahrungen wie Missbrauch oder Vernachlässigung stellen einen bedeutenden Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen dar. Sie sind mit einem frühen Erkrankungsbeginn, schweren und häufig chronischen Krankheitsverläufen sowie einem schlechteren Ansprechen auf etablierte psychotherapeutische Behandlungsansätze verbunden. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass psychobiologische Veränderungsmechanismen bislang nur unzureichend berücksichtigt werden. Zu diesen Veränderungsmechanismen zählen eine erhöhte Zurückweisungssensitivität, Schwierigkeiten in der Arousal- und Emotionsregulation sowie in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Studienziel
Die multizentrische, randomisiert-kontrollierte Studie untersucht die Wirksamkeit einer Mechanismus-basierten, modularen Psychotherapie (MeMoPsy) für Jugendliche und junge Erwachsene mit traumatischen Kindheitserfahrungen im Vergleich zu einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) unter Versorgungsbedingungen. Die Studie baut auf einer vorausgegangenen Machbarkeitsstudie auf.
Intervention
MeMoPsy ist ein personalisierter ambulanter Psychotherapieansatz, der neben einem Basismodul zum Beziehungsaufbau und zur Integration traumatischer Kindheitserfahrungen individuell ausgewählte Therapiemodule umfasst. Die Auswahl der Module erfolgt auf Grundlage einer umfassenden Diagnostik mittels modulspezifischer Fragebögen, empirisch fundierter Cut-off-Werte und eines algorithmusbasierten Zuweisungsverfahrens. Die ausgewählten Module adressieren gezielt die oben genannten psychobiologischen Veränderungsmechanismen. Die Behandlung umfasst insgesamt 28 Sitzungen.
Studiendesign
An vier Studienstandorten in Deutschland sollen insgesamt 250 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 25 Jahren mit psychischen Erkrankungen und traumatischen Kindheitserfahrungen eingeschlossen und in eine der beiden Therapiebedingungen randomisiert werden.
Zielkriterium
Das primäre Zielkriterium ist die psychopathologische Symptombelastung zu Therapieende, erfasst mit dem Brief Symptom Inventory (Franke, 2000). Darüber hinaus werden Akzeptanz und Durchführbarkeit der Intervention sowie Veränderungsmechanismen und Verlaufsbeobachtungen erhoben. Optional werden zusätzliche Untersuchungen zu neuronalen Korrelaten und hormonellen Maßen durchgeführt, sowie Ecological Momentary Assessment (EMA) und qualitative Interviews. Der primäre Endzeitpunkt ist T2 (nach 40 Wochen), anschließend finden ein 3-Monats- und 6-Monats-Follow-Up statt.
Projektkoordination: M. Sc. Maria Gralla
Projektleitung Ulm: Prof. Dr. Jana Volkert
Gesamtprojektleitung: Prof. Dr. med. Sabine C. Herpertz, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Heidelberg
Standorte
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Heidelberg, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, Hochschulambulanz der Freien Universität Berlin, Universitätsklinikum Ulm.
Finanzierung
Im Rahmen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWFK-BW)
Laufzeit
2026 – 2029