Forschungsprojekte
Überblick über unsere Forschungsprojekte
1. Digitale Ansätze & Echtzeit-Interventionen (E-Mental-Health)
REFLECT: Machbarkeit einer randomisiert-kontrollierten Pilotstudie zur Verbesserung emotionaler und kognitiver Mentalisierungsprozesse unter Stress bei Studierenden
Studierende weisen erhöhte psychische Belastungen und eine höhere Prävalenz psychischer Erkrankungen auf, während wirksame und skalierbare Präventionsprogramme bislang nur begrenzt verfügbar sind. Beeinträchtigungen im Mentalisieren – der Fähigkeit, eigenes und fremdes Verhalten anhand zugrunde liegender mentaler Zustände wie Gedanken, Emotionen und Motive zu verstehen – gelten als zentraler transdiagnostischer Risikofaktor für Psychopathologie. Dabei ist Mentalisieren kein stabiles Persönlichkeitsmerkmal, sondern schwankt in Abhängigkeit von situativem Stress und kann insbesondere in hochbelastenden Situationen vorübergehend beeinträchtigt werden.
Die STAY-MIND Studie: Eine EMA-Studie zu momentanen Mentalisierungsprozessen im Alltag belasteter Studierender
Mentalisierung bezeichnet die Fähigkeit, mentale Zustände wie Emotionen, Wünsche, Überzeugungen, Ziele und Verhaltensweisen bei sich selbst und anderen wahrzunehmen, zu reflektieren und angemessen einzuordnen. Diese Fähigkeit ist entscheidend für die Bewältigung sozialer Interaktionen sowie für die Regulation von Emotionen und Verhalten. Beeinträchtigungen der Mentalisierung wurden mit verschiedenen Formen von Psychopathologie in Verbindung gebracht. Neuere Forschung betrachtet die Mentalisierung als einen dynamischen, situationsabhängigen Prozess, der sich innerhalb von Individuen im Alltag kontinuierlich verändert. Derzeit existiert jedoch kein validiertes Instrument, das die momentane Mentalisierung im Alltag zuverlässig erfasst.
Die MIND-SET Studie: Mentalisierung, interpersonelle und neurophysiologische Prozesse sowie Stressverarbeitung in der Depressionsbehandlung
Major Depression (MDD) zählt weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und geht mit erheblichen funktionellen Beeinträchtigungen sowie hohen Nichtansprechraten auf Standardbehandlungen einher. Mentalisierung, als die Fähigkeit, eigene und fremde mentale Zustände zu verstehen, gilt als ein zentraler transdiagnostischer Mechanismus, der bei MDD häufig beeinträchtigt ist. Aktuelle Modelle konzeptualisieren Mentalisieren dabei nicht als stabiles Persönlichkeitsmerkmal, sondern als dynamischen, stresssensitiven Prozess, der insbesondere bei Personen mit frühen Belastungserfahrungen unter interpersonellem Stress und negativem Affekt vorübergehend beeinträchtigt werden kann.
2. Klinische Wirksamkeits- und Versorgungsstudien
MeMoPsy-Studie: Mechanismus-basierte, modulare Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene mit traumatischen Kindheitserfahrungen
Traumatische Kindheitserfahrungen wie Missbrauch oder Vernachlässigung stellen einen bedeutenden Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Erkrankungen dar. Sie sind mit einem frühen Erkrankungsbeginn, schweren und häufig chronischen Krankheitsverläufen sowie einem schlechteren Ansprechen auf etablierte psychotherapeutische Behandlungsansätze verbunden. Ein möglicher Grund hierfür ist, dass psychobiologische Veränderungsmechanismen bislang nur unzureichend berücksichtigt werden. Zu diesen Veränderungsmechanismen zählen eine erhöhte Zurückweisungssensitivität, Schwierigkeiten in der Arousal- und Emotionsregulation sowie in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Leuchtturm-Elternprogramm (Klinisch): Implementierung und Evaluation der mentalisierungsbasierten Elternpsychotherapie für Eltern mit psychosomatischen Beschwerden
Seit Mai 2025 haben wir in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ein neues mentalisierungsbasiertes Programm für Eltern mit psychischen Belastungen implementiert. Dazu wurde das etablierte mentalisierungsbasierte Leuchtturmprogramm (Byrne & Lees, 2017) für Eltern mit psychosomatischen Belastungen adaptiert.
Ziel des Programms
Das mentalisierungsbasierte Leuchtturmprogramm (Byrne & Lees, 2017) wurde auf der Grundlage der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT; Bateman & Fonagy, 2019; Taubner, 2019) entwickelt. Schwerpunkt der Behandlung ist es, Schwierigkeiten in der Beziehung zwischen Eltern und Kind zu verbessern. Die Zuschreibung negativer Affekte auf das Kind soll unterbrochen und einem Misshandlungsrisiko vorgebeugt werden. In dem Programm werden Eltern metaphorisch als Leuchtturm für ihre Kinder verstanden. Wenn der Leuchtstrahl des Leuchtturms voll erstrahlt (Mentalisierungsfähigkeit), können Eltern ihr Kind gut wahrnehmen, sich einfühlen und auf dieser Basis adäquat auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen.
Das Ziel des Leuchtturmprogramms ist es, den Eltern zu ermöglichen v.a. in belastenden Situationen (z.B. bei Stress, in einer depressiven Krise) ihren Leuchtstrahl leuchten zu lassen und eine gute Beziehung mit ihrem Kind gestalten zu können bzw. Konflikte lösen zu können.
Aufbau des Programms
Das Programm besteht aus 4-12 wöchentlichen Gruppensitzungen und 3-4 begleitenden Einzelsitzungen. In den Gruppensitzungen stehen die Psychoedukation, Übungen und Rollenspiele und gemeinsames Nachdenken oder Reflektieren über unsere Beziehungen als Eltern zu unseren Kindern im Mittelpunkt. In den Einzelsitzungen können Inhalte aus den Gruppensitzungen sowie individuelle Themen vertieft werden.
Begleitend zu den Gruppen- und Einzelsitzungen bekommen die Teilnehmer:innen ein Booklet mit allen Informationen zum Programm. Dies soll die Gruppenarbeit vertiefen und den Transfer des Gelernten in den Alltag einüben und stärken.
Darüber hinaus können die Teilnehmer:innen die Informationen auf dieser Webseite und insbesondere die programmbegleitenden Metaphern und Videos nutzen.
Anpassung für Eltern in psychosomatischer Behandlung
Unsere neue Seepflanzenmetapher erweitert das Leuchtturmprogramm um eine körperorientierte Perspektive. Eltern lernen, körperliche Signale als Ausdruck von Gefühlen wahrzunehmen, ihre eigene Anspannung zu regulieren und dadurch auch in schwierigen Situationen wieder offen für die Bedürfnisse ihres Kindes zu sein. Dies ist insbesondere für Eltern mit psychosomatischen Beschwerden relevant.
Projektleitung: Prof. Dr. Jana Volkert
Mitarbeiterin: M. Sc. Elisa Merkenschlager
Kontakt für interessierte Eltern: leuchtturm.psychosomatik@uniklinik-ulm.de
MaGnet-Studie: Untersuchung der Wirksamkeit ambulanter Mentalisierungsbasierter Therapie (MBT) bei Borderline Persönlichkeitsstörungen im Vergleich zur Richtlinienpsychotherapie
Die Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwere psychische Störung, die mit hohen Belastungen verbunden ist. Obwohl in den letzten Jahren eine Reihe vielversprechender Therapien entwickelt wurden, besteht eine hohe Notwendigkeit, die Versorgungssituation dieser Patientengruppe weiter zu verbessern. Die MaGnet-Studie untersucht die Wirksamkeit von Mentalisierungsbasierter Therapie (MBT) bei Patienten mit BPS im Vergleich zur besten aktuell verfügbaren Richtlinienpsychotherapie („Bona Fide Treatment", BFT) in ambulanter Behandlung.
3. Transdiagnostische Mechanismen & Grundlagenforschung
Synchronie-Studie: Untersuchung der Zusammenhänge zwischen non-verbaler
Kommunikation, Persönlichkeitsfunktionen, Mentalisierung und epistemischem
Vertrauen.PACE-Studie: Identifikation von moderierenden und mediierenden Faktoren
(Trauma, Mentalisierung) bei pandemiebedingtem Stress.Transdiagnostic Assessment (DMRS-SR-30): Psychometrische Evaluation von
Abwehrmechanismen und deren Zusammenhang mit dem
Persönlichkeitsfunktionsniveau.
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Die SAVER-Studie untersucht, ob automatisierte Sprach- und Sprechanalysen die Diagnose psychischer Erkrankungen und die Symptomschwere vorhersagen, psychotherapeutische Interventionen und Veränderungsprozesse identifizieren sowie die Robustheit dieser Modelle unter Bedingungen anonymisierter Sprachdaten bewerten können. Darüber hinaus untersucht die Studie die Fähigkeit von LLMs, therapeutische Interaktionen zu simulieren. SAVER ist eine multizentrische, naturalistische Beobachtungsstudie mit N = 500 Erwachsenen (18–65 Jahre), die sich in ambulanter oder (teil-)stationärer Psychotherapie in Deutschland befinden.
Abgeschlossene Projekte:
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Das Leuchtturm-Elternprogramm zielt darauf ab, feinfühliges Elternverhalten bei psychisch belasteten Eltern zu fördern. Das Programm wurde entwickelt, um die Fähigkeit der Eltern zu stärken, neugierig auf die innere Welt ihres Kindes zu sein, Missverständnisse in der Beziehung zu ihrem Kind besser zu verstehen und die Beziehung nach Belastungen oder Konflikten wiederherzustellen.
Schwerpunkt der Behandlung ist es, Schwierigkeiten in der Beziehung zwischen Eltern und Kind zu verbessern. Die Zuschreibung negativer Affekte auf das Kind soll unterbrochen und einem Misshandlungsrisiko vorgebeugt werden.
Ziel dieser Machbarkeitsstudie ist es, das Online-Leuchtturm-Elternprogramm sowie ergänzende Mikrointerventionen (Ecological Momentary Interventions, EMI) für belastete Familien anzupassen und zu implementieren sowie Compliance, Akzeptanz und Zufriedenheit mit diesen Interventionen zu erfassen. Darüber hinaus sollen erste Hinweise auf die Wirksamkeit des Online-Leuchtturm-Elternprogramms und der ergänzenden Mikrointerventionen gewonnen werden.
Projektleitungen: Prof. Dr. Jana Volkert (Universität Ulm), Dr. Anna Georg (Universität Heidelberg), Dr. Julia Holl (Universität Heidelberg), Prof. Dr. Svenja Taubner (Universität Heidelberg)
DRKS-ID: DRKS00027423
Förderung: Medizinische Fakultät Heidelberg, 2020
Laufzeit: 2021 – 2025
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In diesem Projekt wird ein mentalisierungsbasierter Prototyp eines Smartphone-Spiels mit und für Eltern aus sozial benachteiligten Verhältnissen entwickelt, bei denen ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme vorliegt oder bereits eine psychische Belastung besteht.
Der Prototyp des Spiels zielt darauf ab, die Fähigkeit der Eltern zu trainieren, ihre Kinder zu mentalisieren, d. h. ihre Fähigkeiten zu verbessern, über mentale Zustände nachzudenken, die dem Verhalten ihrer Kinder zugrunde liegen könnten, wodurch sie ihre Reaktion stärker auf die Bedürfnisse ihrer Kinder ausrichten können.
Durch die Verbesserung der Mentalisierungsfähigkeit der Eltern können der elterliche Stress verringert und die Interaktionen innerhalb der Familie verbessert werden.
Der Prototyp des Spiels wird in einem Co-Design-Prozess entwickelt und getestet, an dem Eltern mit unterschiedlichem Hintergrund aus der Stadt und dem Umland von Ulm beteiligt sind.